Windsurfen lernen

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Windsurfen lernen 2018-04-26T15:04:31+00:00

Problemstellung

Die Schwierigkeit beim Windsurfen besteht hauptsächlich in der Fähigkeit, das Gleichgewicht des eigenen Körpers mit der Segelstellung zum Wind zu kontrollieren. In Surfschulen kann man heute das Windsurfen in entsprechenden Kursen bereits in 10–12 Stunden erlernen. Dies wird durch besonderes Anfängermaterial ermöglicht. So bieten Bretter für Anfänger heute ein hohes Maß an Kippstabilität, was es dem Schüler einfacher macht, sich auf die Segelsteuerung zu konzentrieren.

Für einen Anfänger ist ein Brett mit Schwert die bessere Wahl, da es für bessere Kippstabilität sorgt und einem Abtreiben zur windabgewandten Seite entgegenwirkt. Bei kleineren Brettern findet man nur noch die Finne vor, da das Schwert beim Gleiten stört und die Geschwindigkeit verringert. Erfahrenere Windsurfer wählen meist ein möglichst kleines Surfbrett mit weniger Auftrieb, da dieses eine höhere Drehfreudigkeit aufweist. Dabei kann der Auftrieb geringer als das Gewicht des Sportlers sein, so dass das Brett erst beim Fahren durch den dynamischen Auftrieb an die Wasseroberfläche gehoben wird und auf dieser gleitet. Solche kleinen Bretter werden auch als Sinker bezeichnet. Verständlicherweise ist ein Aufholen des Segels durch die Startschot (Aufholleine) bei Sinkern nicht mehr möglich, deshalb muss man auf diesen kleinen Brettern den Wasserstart beherrschen (siehe Kapitel Starttechnik).

Die grundlegenden Techniken des Windsurfens werden in Surfschulen bereits in wenigen Tagen vermittelt, sodass ein Anfängerbrett sicher bei leichtem Wind gesteuert werden kann. Die richtige Verwendung von Fußschlaufen und Trapez kann in Fortgeschrittenenkursen erlernt werden und gestaltet sich schon zeitaufwendiger. Die höchste Könnensstufe wird durch die Beherrschung des Kurzbrettes erreicht.

Richtungsänderung

Um die Fahrtrichtung zu beeinflussen, wird das Segel nach vorne oder hinten geneigt. Beim nach vorne Neigen (Abfallen) dreht sich der Bug vom Wind weg und umgekehrt beim nach hinten Neigen (Anluven) des Segels in den Wind hinein.

Bei mittlerer Stellung des Segels (weder nach vorne oder nach hinten geneigt), befindet sich der Druckpunkt des Segels über dem Druckpunkt des Schwertes, wie es Einsteiger-Boards aufweisen. Wird nun das Segel nach vorne geneigt, wandert der Druckpunkt (Windkraft) des Segels vor den Druckpunkt des Schwertes (Wasserwiderstand) und die Windkraft bewirkt eine Drehung des Surfbrettes mit der Spitze vom Wind weg. Dagegen wird bei einer Neigung des Segels nach hinten der Druckpunkt des Segels hinter den Druckpunkt des Schwertes verschoben und das Surfbrett dreht mit der Nase gegen den Wind. Die Neigung des Mastbaumes zusammen mit dem Segel ist möglich, da er mit einem Gelenk (dem sogenannten Powerjoint) auf dem Brett befestigt ist. Diese Möglichkeit – den Mast zu neigen – unterscheidet das Surfbrett vom normalen Segelboot. Dagegen hat das normale Segelboot ein Ruder zur Steuerung.

Bei höheren Geschwindigkeiten, wenn das Board Gleitfahrt hat, wird die Fahrtrichtung fast ausschließlich über das Ankippen des Brettes mit den Füßen gesteuert. Durch tieferes Eintauchen der belasteten Brettseite erhöht sich auf dieser der Strömungswiderstand, während er sich auf der gegenüberliegenden Seite verringert. Durch diesen Bremseffekt dreht sich das Surfbrett in die gewünscht Richtung. Vor allem in der Welle entstehen damit spektakuläre Manöver wie der cut back.

Gabelbaum, Trapez und Fußschlaufen

Surfer verringern die Beanspruchung der Arme beim Halten des Segels am Gabelbaum durch ein Trapez. Dabei handelt es sich entweder um einen kompakten Hüftgürtel oder eine Art Sitzhalterung, an denen vorne ein Metallhaken befestigt ist. Dieser unten offene Trapezhaken wird in ein kurzes Seil – den Trapeztampen – eingehängt, welcher am Gabelbaum befestigt ist und den größten Teil der Zugkraft des Windes aufnimmt. Zum Aushaken des Trapeztampens wird der Gabelbaum kurz zum Körper gezogen, sodass der Tampen aus dem Haken herausfällt. Die Hände am Gabelbaum werden, bei richtigem Trimm, nur noch für Korrekturen und im Manöver beansprucht. Und um einen festen Stand zu gewährleisten, befinden sich am Heck des Brettes drei bis sechs fest verschraubte Fußschlaufen aus weichem Material, in die die Füße bis zum Rist gesteckt werden.

Der Surfer ist so mit den Händen, mit der Hüfte und mit den Füßen mit dem Sportgerät verbunden und kann eine stabile und relativ kräfteschonende Lage einnehmen.

Starttechnik

Als Anfänger übt man zunächst den Schotstart. Dabei liegt das Segel in Lee und das Brett, möglichst auf Halbwindkurs, in Luv. Auf dem Brett stehend wird das Rigg mit einem dicken (griffigen) Kunststoff-Seil, der Startschot, aus dem Wasser gezogen. Dies ist sehr anstrengend, da das Segel gegen die Windkraft hochgezogen wird und das Board durch den zunehmenden Winddruck im Segel unkontrolliert zu fahren beginnt. Den Moment, in dem das Gabelbaumende ruckartig das Wasser verlässt und das Segel nach Lee schwingt, gilt es auszubalancieren. In einer koordinierten Abfolge von Ergreifen und Stellen des Mastes, Heranziehen des Gabelbaumes und Gewichtsverlagerung durch Änderung der Fußposition, alles in Abhängigkeit von der Windstärke, beginnt die kontrollierbare Vorwärtsbewegung des Brettes.

Als Nachfolgetechnik wird der Beachstart gelehrt. Dabei liegt das Brett in Lee und idealerweise auf Halbwindkurs, um den Segeldruck möglichst leicht kontrollieren zu können. Das Rigg wird in Fahrtstellung gehalten und das Surfbrett aus knie- bis hüfttiefem Wasser von Luv her in Richtung Mastfuß mit dem hinteren Fuß zuerst bestiegen. Hierbei arbeitet man mit dem Wind und nicht dagegen, wie beim Schotstart. Je tiefer das Wasser ist, umso mehr Wind wird benötigt, um sich vom Wind auf das Brett ziehen zu lassen.

Als fortgeschrittene (und bei Sinkern allein mögliche) Startmethode lernt man den Wasserstart. In der Regel ist hier entsprechend mehr Wind als beim Beachstart notwendig, geübte Windsurfer beherrschen den Wasserstart jedoch auch bei Windstärken, die gerade ausreichen, um das Rigg aus dem Wasser zu heben. Das Ausrichten des Brettes und Segels muss beim Wasserstart schwimmend geschehen. Stimmt die Position, kann man durch Andrehen des Riggs Wind fangen, setzt zuerst den hinteren Fuß auf das Brett, verlagert das Körpergewicht möglichst weitgehend auf den Mastfuß und lässt sich vom Segel aus dem Wasser ziehen. Bei wenig Wind wird das Rigg möglichst senkrecht aufgestellt und der Surfer zieht sich in einer Art Klimmzug hoch, bei höheren Windstärken ist das Verlagern des Körpergewichtes vom Mastfuß weg erforderlich.

Während man nun Fahrt aufnimmt, wird der Trapezhaken eingehängt und erst der vordere, dann der hintere Fuß in die Schlaufen gestellt.

Es kann beim Wasserstart hilfreich sein, wenn man das Segel mit dem Gabelbaum auf das Heck des Brettes legt, da es dann leichter gegen den Wind aus dem Wasser zu heben ist. Bei moderneren Brettern ist der Mastfuß jedoch meist so weit hinten platziert, dass man den Gabelbaum höchstens auf den Unterarm legen kann, während die Hand das Heck des Brettes ergreift.

Manöver

Als erste zu erlernende Manöver gelten die Wende und die Halse – die meisten Windsurfer geben sich dann mit diesem Niveau voll und ganz zufrieden. Um die Windsurfmanöver der Freestyler oder Profis zu erlernen, ist reichlich Übung und eine gewisse Begabung notwendig.

Die Manöver, von Surfern Moves genannt, werden in folgende Kategorien unterteilt:

  • Grundmanöver (Basics), die für den Start und für Kurswechsel erforderlich sind.
  • Old School sind Freestyle-Manöver, die bis Anfang der 1990er Jahre erfunden wurden. Das sind spektakuläre Loopings und gesprungene Tricks.
  • New School sind die mehr artistischen Freestyle-Manöver; dabei rotieren Mensch und/oder Material nahe der Wasseroberfläche.
  • Außerdem gibt es viele Manöver, die nur in der Welle möglich sind, wie der Cut Back, Double front Loop oder der One-handed Tabletop off the lip.

Trimm für Manöver

Damit die Komponenten des Sportgerätes optimal funktionieren, kommt dem Trimm eine besondere Bedeutung zu. Dazu gibt es im Wesentlichen folgende Einstellmöglichkeiten:

  1. Die Position der Fußschlaufen wird auf Körpergröße und Gewicht des Sportlers abgestimmt. Racer stehen aber weiter hinten und außen als Freestyler.
  2. Die Form und Position der Finne beeinflusst Drehfreudigkeit und Höchstgeschwindigkeit.
  3. Die Position des Mastfußes wird in der Mastspur ungefähr in der Mitte des Surfbrettes verstellt. Je größer das Segel, desto weiter muss der Mastfuß nach vorne justiert werden, um ein Anluven zu verhindern.
  4. Am Schothorn wird mittels Tampen das Segel so gespannt, dass die Segellatten ihre vom Hersteller vorgesehene Position zum Mast einnehmen können. Hier wird meist ein Kompromiss zwischen bauchig und zugstark gegenüber flach und stabil angestrebt.
  5. Das Vorliek wird zum Mastfuß über Tampen gespannt und biegt den Mast so weit, wie vom Segel-Hersteller vorgegeben wird. Dabei soll der oberste, achterne Teil des Segels in Falten liegen, damit das Segel Windböen absorbieren kann. Der Fachbegriff dazu ist loose leech, was so viel wie „loses Segeltopp“ bedeutet.
  6. Die Spannung der Segellatten schließlich bestimmt das Tragflächenprofil des Segels und somit Stabilität und Vortrieb.
  7. Die Position der Trapeztampen am Gabelbaum und die Position des Gabelbaumes am Mast bestimmen den Hebel, mit dem das Körpergewicht des Sportlers dem Winddruck entgegenwirkt.

Klassische Fehler

Beim sogenannten spin out reißt an der Finne der Wasserstrom ab und Luftbläschen bilden Verwirbelungen, die die richtungsstabilisierende Wirkung der Finne nicht mehr gewährleisten. Dies hat für den Sportler den Effekt, dass beim Gleiten das Brett plötzlich seitlich wegrutscht. Damit wird das Surfbrett unsteuerbar, was oft zu einem Sturz führt. Die Ursache ist ein zu hoher Druck auf die Seitenfläche der Finne. Als Gegenmaßnahme kann eine größere Finne eingebaut werden, der Mastfuß nach vorne verschoben oder der Fahrstil bzw. der Kurs zum Wind geändert werden. Mit einigem Geschick kann man das Brett bei einem „spin out“ wieder auf Kurs bringen, wenn man das Heck mit dem Fuß in der hinteren Fußschlaufe ruckartig zu sich heranzieht und das Gewicht zum Mastfuß hin verlagert, was zum nachfolgenden Fehler führen könnte.

Bei Starkwind besteht die Gefahr eines Schleudersturzes, wenn man zu nah am Mastfuß steht und durch eine plötzliche Böe mit dem Rigg über das Surfbrett geschleudert wird. Dabei wird man u. U. aus den Fußschlaufen gehoben, vom Trapez kann man sich jedoch nicht mehr losmachen. Um Kopfverletzungen bei einem Aufschlag auf Gabelbaum, Mast oder Brett vorzubeugen, lässt man den Gabelbaum beim Schleudersturz keinesfalls los und hält dabei die Arme ausgestreckt. Dieser Fehler passiert vor allem unerfahrenen und ungeübten Windsurfern, mit fortgeschrittener Könnensstufe erlebt man einen Schleudersturz nur noch als Folgewirkung eines missglückten Manövers. Der so beliebte Vorwärts-Looping (front loop) ist übrigens nichts anderes als ein kontrollierter Schleudersturz.

Ausweichregeln

Im Bereich der Binnengewässer und der BinSchStrO gelten Windsurfer nach § 1.01 Nr. 14 BinSchStrO als „Kleinfahrzeug unter Segeln“. Sie sind damit Segelbooten gleichgestellt. Sie müssen ausweichen:

  1. Fahrzeugen der öffentlichen Sicherheitsdienste wenn sie im Einsatz (Blaulicht etc.) sind: Polizei, Hafenbehörden, Rettungsdienste, Feuerwehr, Zoll und andere
  2. Vorrangfahrzeugen und schwer bewegliche Fahrzeuge (Linienschiffe (grüner Ball), Fähren und andere)
  3. Fahrzeugen der Berufsfischerei (Kennzeichen in Österreich: weißer Ball)
  4. Großfahrzeugen (d. h. Fahrzeugen ab 20 m Länge) ist der nötige Raum zu lassen, diese sind nicht ausweichpflichtig
  5. Gegenüber Segelfahrzeugen gelten die Ausweichregelungen zwischen Segelfahrzeugen

Vorrang besteht gegenüber Kleinfahrzeugen mit Motorantrieb und Kleinfahrzeugen, die weder mit einer Antriebsmaschine noch unter Segel fahren.

Im Bereich der SeeSchStrO haben nach § 31 Abs. 2 SeeSchStrO Wassersportgeräte (Zugboote der Wasserskiläufer und von Wassersportanhängen, Wassermotorradfahrer, Kite- und Segelsurfer) allen anderen Fahrzeugen auszuweichen. Für die Wassersportgeräte untereinander gelten die allgemeinen Kollisionsverhütungsregeln. Auf den Seeschifffahrtstraßen sind Windsurfer also ausweichpflichtig gegenüber:

  1. Fahrzeugen der öffentlichen Sicherheitsdienste wenn sie im Einsatz (Blaulicht etc.) sind: Polizei, Hafenbehörden, Rettungsdienste, Feuerwehr, Zoll und andere
  2. Vorrangfahrzeugen und schwer bewegliche Fahrzeugen (Linienschiffe (grüner Ball), Fähren und andere)
  3. Fahrzeugen der Berufsfischerei (Kennzeichen in Österreich: weißer Ball)
  4. Flößen
  5. Segelfahrzeugen
  6. Ruderfahrzeugen
  7. Fahrzeugen mit Maschinenantrieb ausgenommen (Fahrzeuge gemäß Ziffer 1 bis 3)
  8. Schwimmkörper, ausgenommen Flöße.

Gegenüber anderen Wind- und Kitesurfern gelten die Ausweichregeln zwischen Segelfahrzeugen:

  1. Bei entgegenkommenden Surfern: Kurshaltepflicht für den, der das Schot an Backbord liegen hat, Ausweichpflicht für den mit Steuerbord-Schot. Mit Schot ist beim Windsurfen das hintere Gabelbaumende, das Schothorn, gemeint. Wenn also die rechte Hand näher beim Mast ist, hat man Kurshaltepflicht und wenn es die Linke ist, dann hat man Ausweichpflicht. Beim Kiten wird unter Schot die Position des Lenkdrachens zur Längsachse des Brettes verstanden. Merksatz: „Backbord-Schot vor Steuerbord-Schot“ oder „Steuerbordbug weicht Backbordbug“.
  2. Bei Kollisionskurs im spitzen Winkel auf ähnlichem Kurs: Kurshaltepflicht für den, der in Lee fährt, Ausweichpflicht für den Surfer in Luv. Das deshalb, weil der in Lee fahrende Surfer den in Luv fahrenden im Rücken hat und kaum sehen kann. Merksatz: „Lee vor Luv“.
  3. Überholt wird nach Möglichkeit immer in Luv. Dem Überholten muss die Möglichkeit des Abfallens, zum Beispiel für die Halse, gelassen werden. Merksatz: „Vorbei in Luv“.
  4. In der Hafeneinfahrt: Einfahrer vor Ausfahrer, damit Surfer mit beschädigtem Material oder mit körperlichen Problemen ungehindert den sicheren Hafen erreichen können. Merksatz: „Erst rein, dann raus“.

 

QUELLE: wikipedia