Kitesurfen lernen

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Kitesurfen lernen 2018-04-26T15:39:55+00:00

Steuern

Der Kitesurfer regelt seinen Kurs und seine Geschwindigkeit über die Steuerung des Schirms und des Brettes. Die Kurse zum Wind können ähnlich wie ein Segler oder Windsurfer gewählt werden, das heißt gegen den Wind kann nicht direkt angefahren, sondern nur gekreuzt werden, und alle anderen Kurse sind möglich. Unterschiede ergeben sich gegenüber den anderen Segelsportlern unter anderem durch die Eigengeschwindigkeit und die Flughöhe des Drachens. Letztere beträgt je nach Leinenlänge maximal 30 Meter. In dieser Höhe ist der Wind meist stärker, konstanter und frei von Turbulenzen.

Die Bar ermöglicht dem Kitesurfer, über die Leinen den Schirm im Windfenster zu steuern und damit seinen Kurs zum Wind zu bestimmen. Zur Richtungsänderung wird die Seite der Bar, in die man fahren möchte, behutsam zum Körper hingezogen und somit der Kite in diese bewegt. Bei einer Richtungsänderung (Halse) wird der Kite langsam in den Zenit und schließlich in den anderen Teil des Windfensters bewegt. Das Wenden kann mit einem „Basic Jibe“, der Trambahn-Halse erfolgen, oder mit der richtigen Wende, dem sogenannten „Carved Jibe“. Bei der Trambahn-Halse steht der Kiter kurz, bevor er in die andere Richtung weiterfährt, bei der Carved Jibe fährt der Kiter einen Halbkreis nach Lee und fährt anschließend in die andere Richtung weiter, anstatt stehen zu bleiben. Zusätzlich zu den Lenkbewegungen muss der Kitesurfer mit dem hinteren Fuß das Board belasten, um dem Kite einen Widerstand zu bieten.

Grundlage für das Kitesurfen ist das Beherrschen des sogenannten „Höhelaufens“, also durch gezieltes Lenken auf einer gedachten Linie fahren und nach einer Wende wieder beim Ausgangspunkt ankommen, und dabei nicht zu weit nach Lee abgetrieben zu werden. Beim Höhelaufen spielt vor allem die Boardsteuerung durch Gewichtsverlagerung eine große Rolle. Der normale Kurs ist der Halbwindkurs, bei dem der Surfer etwa rechtwinklig zur Windrichtung fährt. Dadurch ist im besten Fall ein exakt gerades Fahren möglich. Lehnt er sich weiter nach vorne, fährt er auf Raumwindkurs und steuert so nach Lee. Lehnt er sich ausgehend vom Halbwindkurs weiter nach hinten, fährt er auf Amwindkurs. Durch den Raumwind- und Amwindkurs lässt sich somit nach Lee und Luv lenken, also nach „vorne“ und „hinten“ oder „in“ das Windfenster und „aus“ dem Windfenster heraus.

Sollten zwei Kiter also aufeinander zu fahren, lässt sich ein Zusammenstoß vermeiden, indem der Leegewandte nach vorne in den Raumwindkurs und der Luvgewandte nach hinten in den Amwindkurs ausweicht.

Start des Kites

Die Vorgehensweise beim Start des Schirms ist vom eingesetzten System abhängig. Beim Tubekite ist ein Starthelfer sinnvoll. Er hält den Schirm am Windfensterrand, wo der Schirm nicht so viel Zug entwickelt, so dass der Sportler den Schirm gefahrlos in den Zenit fliegen kann. Ohne Starthelfer kann der Schirm an einer umgeschlagenen Schirmecke mit Sand oder Sandsäcken am Boden gehalten werden. Zum Start werden die Sandsäcke durch Zug an den betreffenden Leinen abgeworfen und der Schirm steigt zum Himmel auf.

Bestimmte Ram-Air-Schirme können auch ohne Helfer gestartet werden. Diese Drachen sollten möglichst auch nicht in der direkten Leistungszone gestartet werden – es sei denn, der Wind ist unter 3 bft. Aus Sicherheitsgründen ist aber auch bei diesen Schirmen ein Helfer angebracht, der den Sportler davor bewahrt, ungewollt nach vorne gezogen zu werden. Das gilt, insbesondere bei extrem viel Wind, auch für den Tubekite-Start.

Wasserstart

Nach einer Wasserlandung von Tubeschirmen, bei der der Drachen meist verkehrtherum, also mit dem Frontschlauch auf dem Wasser aufliegt, versucht der Kitesurfer den Drachen durch Be- und anschließendes Entlasten (in Richtung des Schirms schwimmend) der Frontleinen den Schirm auf den „Rücken“, das heißt die Schirm-Oberseite, zu legen. Durch Steuerbewegungen, meist an einer der Steuerleinen, wird der Schirm vorsichtig aus der Leistungszone zum Windfensterrand bewegt. Dort kann der Schirm durch Zug an der nach oben weisenden Steuerleine wieder gestartet werden. Systeme mit einer fünften Leine am Frontschlauch (vorderer, C-förmiger Schlauch) vereinfachen das Umklappen des Drachens und damit den Wasserstart. Insbesondere ist damit auch ein Start in der Leistungszone möglich, der bei Tubeschirmen ansonsten sehr gefährlich werden kann („Russenstart“), weil der Sportler je nach Windzug nach oben und vorne gerissen wird.

Liegt der Schirm verkehrtherum, ist ein sogenannter Rückwärtsstart möglich, wenn der Schirm eine entsprechende Vorrichtung hat. Mattenschirme (3-/4-Leiner) lassen sich recht einfach durch Ziehen an den Backleinen (Leinen, die an der Hinterkante des Schirms angebracht sind) rückwärts starten. Der Drachen erhebt sich dann rückwärts fliegend und kann nach Erreichen von einigen Metern Höhe durch eine 180°-Drehung wieder in die Vorwärtsposition gebracht werden. Einige Tubeschirme haben zum Rückwärts-Start spezielle Leinen, die über ein Umlenksystem oder direkt auf die Hinterkante des Schirms wirken, was ein Rückwärtsfliegen möglich macht. Rückwärtsstart-Systeme sind insbesondere zur Benutzung auf dem Land (auf Schnee) vorteilhaft.

Die sogenannten Bow-Schirme haben die Haupttube bogenförmig nach hinten geschnitten, sodass der Schirm nicht mehr mit der gesamten Vorderkante auf Land oder Wasser aufliegt. Durch eine aufgefächerte Anlenkung der vorderen Leinen sind zusätzlich die Ohren vom Untergrund bzw. Wasser abgehoben. Beim Neustart kann sich ein solcher Schirm, ohne direkt auf dem „Rücken“ zu liegen, ans Windfenster bewegen und wieder hochsteigen. Der Übergang aus der Powerzone ist wesentlich schneller und weicher.

Delta-Shape-Kites sind zurzeit die Kites mit den besten Wasserstarteigenschaften. Sobald sie auf dem Wasser oder Schnee liegen, treiben sie an den Windfensterrand und lassen sich durch Ziehen an der jeweiligen Steuerleine aus dem Wasser starten.

Springen

Ein Kiter springt, indem er den Drachen in voller Fahrt über den Zenit in den anderen Windfensterrand bewegt durch den Auftrieb des Kites schließlich in die Luft gehoben wird. Es lassen sich so große Sprünge – teils schon Flüge – vollbringen. Um nicht nach vorne zu drehen und sich dadurch mit dem Rücken in Flugrichtung zu befinden, sollte der Sportler eine möglichst kompakte Haltung einnehmen und eine hohe Körperspannung aufbauen. Zum Landen wird der Kite langsam wieder in den ursprünglichen Windfensterrand zurückgelenkt. Einen einfachen Sprung nennt man Basic Jump, Air oder bei einem besonders hohen und/oder weitem Sprung Big Air

Wie auch beim Snow-, Skateboarden und ähnlichen Sportarten sind sowohl Flip- als auch Grab-Tricks und darüber hinaus One-Foots, Board-Offs, und aus dem Wakeboarden adaptierte Tricks wie Raileys möglich.

  • Bei den Flip-Tricks kann sich der Kiter einfach nach rechts oder links horizontal um die eigene Achse drehen (360 Flip) oder vertikal nach vorn oder hinten (Fronftlip, bzw. Backflip)
  • Bei Grab-Tricks hat der Kiter noch mehr Möglichkeiten, wie das nebenstehende Schaubild verdeutlicht. Flip- und Grab Tricks lassen sich aber auch Verbinden, so dass Tricks wie „360 Melons“ oder „720 Tailgrabs“ möglich sind.
  • Bei One-Foot-Tricks steigt der Kiter mit einem Fuß aus der Bindung/Schlaufe aus und kombiniert dies mit einem Grab Trick (zur Kontrolle des Boards) und ggf. einem Flip Trick. Ein reiner One-Foot wird selten durchgeführt, da die Wahrscheinlichkeit, das Board in der Luft zu verlieren, sehr groß ist.
  • Bei Board-Offs steigt der Kiter mit beiden Füßen aus der Bindung/den Schlaufen. Hier ist die Kombination mit einem Grab-Trick zwangsweise erforderlich, da man sonst das Board verlieren würde. Auch hier ist die Kombination mit einem Flip möglich.
  • Eine besondere Sprungart stellen die Raleys dar, da bei diesen der Kiter nur noch mit der Safetyleash mit dem Kite verbunden ist (er fährt „unhooked“). Vor dem Absprung wird die Bar am Trapez ausgehängt, der Kiter streckt die Arme aus und bringt durch nach hinten abgeknickte Beine das Board auf, oder über Kopfhöhe. Zum Landen muss der Sportler Arme und Beine wieder anziehen. Nach der Landung wird die Bar wieder eingehakt.

 

QUELLE: wikipedia